Waldkindergarten Aidlingen e.V.
Waldkindergarten Aidlingen e.V.

BeDenkzeit 

Allerlei Nachdenkenswertes rund ums Großwerden

Ein Auszug aus dem Thema des Elternabends im Oktober 2021

 

„Unser Waldalltag - wieso, weshalb, warum?“

 

Irgendwann ist es soweit, euer Kind ist 3 Jahre alt, oder knapp davor, die Kindergartenzeit beginnt. 

Für einige von euch liegt das schon längere Zeit zurück, manche haben es gerade erlebt und manche steht dieser Schritt bald bevor.

 

Ein großer Schritt in Richtung Eigenständigkeit. Ein sehr spannendes Ereignis für alle Beteiligten. 

Für Mama und Papa bedeutet das einmal mehr „Loslassen“. Das erste Loslassen fand tatsächlich schon mit der Geburt des Kindes statt. Dann ein weiteres Loslassen, als Euer Kind in der Lage war auf eigenen Beinen zu stehen, zu gehen.

 

Und jetzt der Start in die Kigazeit:

Für euch bedeutet das, akzeptieren, dass euer Kind von nun an, für ein paar Stunden des Tages, in „fremder Obhut“ ist. Es gibt nun einen Zeitraum im Tag, an dem ihr als Eltern nicht mehr so genau im Bilde sind, was euer Kind tut, euer Kind erlebt. Wie es sich verhält, mit wem es spielt …

 

Es verlangt von eurer Seite großes Vertrauen, in die Menschen, die sich in dieser Zeit, hoffentlich sehr gut, um euer Kind kümmern. Und es bedarf genauso eine riesige Portion Zutrauen in euer Kind selbst: „Du schaffst das“. 

Denn mit etwa 3 Jahren ist es tatsächlich auch der Zeitpunkt, an dem ein Kind auch gut in der Lage ist, mit anderen Kindern in Interaktion zu treten.

 

Für manche Kinder ist dieser Schritt tatsächlich einfach. Doch für viele ist es eine einschneidende Veränderung, die mit dem Gefühl von Unsicherheit und Sorge verbunden ist. Speziell wenn es in der Familie das 1. Kind ist, das in den Kindergarten kommt, ist es für die Familie ein sehr einschneidendes Ereignis. Wir als ErzieherInnen sind uns dessen sehr bewusst. Und natürlich ist es uns ein großes Anliegen, dass dieser Schritt gut verläuft. Aber ganz ohne Tränen geht es manchmal nicht. Und hier kommen wir zur Frage, die uns beschäftigt: Sind Tränen so schlimm? Können wir Tränen unseren Kindern nicht zumuten?

 

Eine solche Veränderung im Leben eures Kindes, darf doch auch mit dem Gefühl von Aufregung verbunden sein, finde ich. 

Auch wenn sie ahnen, dass sie im Kindergarten viel Spannendes, Neues erwartet und neugierig sind. Neugierig auf die vielen anderen Kinder, mit denen sie in diesem Alter auch gerne in Kontakt treten wollen, gespannt auf den Ort, der so viele neue Erfahrungsmöglichkeiten bieten wird - sind da doch auch Gefühle von Unsicherheit. Verständlich, oder?

Und hier könnt ihr eurem Kind eine ganz wichtige Stütze sein, in der Art, wie ihr mit diesem „Trennungsschmerz“ umgeht.

Schafft ihr es, auch wenn euch beim Anblick eures weinenden Kindes fast das „Herz bricht“, zu sagen:

„Ich gehe jetzt, du bleibst hier, hab einen schönen Tag und nachher komme ich wieder“?                                                                                               Und gelingt es, diese Worte mit innerer Überzeugung auszusprechen, dass das Kind sie auch glauben kann?

Oder macht ihr es eurem Kind mit einem Zögern und sorgenvoller Mine zusätzlich schwer? 

So wie auch wir Erwachsene manchmal noch ein zuversichtliches Schubsen von Außen benötigen, um eine Sache in Angriff zu nehmen, so geht es an dieser Stelle auch vielen Kindern. Schon öfter haben wir den Satz gehört „Wir wünschen uns aber, dass der Einstieg in die Kindergartenzeit perfekt verläuft. Ohne Weinen …“ 

 

Aber die Tränen zeigen doch auch, wie wichtig ihr eurem Kind seid und, dass es gerne mit euch zusammen ist. Ihr erlebt beide einen Abschiedsschmerz, aber ihr wisst, es sind nur wenige Stunden und dann verbringt ihr den Rest des Tages wieder gemeinsam. Und, diese neuen Erlebnisse, außerhalb des Elternhauses, sind doch auch eine tolle Bereicherung für die übrige gemeinsame Zeit - bieten Gesprächsstoff, wenn das Kind gerne erzählt. Manche Kinder werden vielleicht auch nicht so viel erzählen. Dann dürft ihr einfach auf uns zukommen und Nachfragen.

 

Vielleicht laufen die ersten beiden Kindergartentage auch völlig unkompliziert und am Tag drei wird ihnen bewusst „da geh ich ja jetzt jeden Tag hin, oh!“ Und dann fließen zum ersten Mal die Tränen. 

Und auch dann macht ihr es eurem Kind am aller einfachsten, wenn ihr den Moment des „Tschüss sagen’s“ nicht zu lange hinauszögert. Lieber kurz und schnell. Wir sind, keine Unmenschen und wollen euer Kind nicht quälen … Es sind einfach Erfahrungswerte. Wir sind in Kontakt zu euch und geben euch auch ganz schnell Rückmeldung, wenn sich das Kind nach ein paar Minuten beruhigt hat. Wenn die Kinder die innere Einstellung des Gegenübers spüren, die gelassen und zuversichtlich ist, dann können es auch die Kinder sein.

 

Wir bemühen uns auf jeden Fall sehr, dass der Einstieg in die Kindergartenzeit kein „traumatisches“ Erlebnis wird.

Was für ein großer Schritt ist das! Ich bewundere es jedes Jahr, wenn die neuen Kleinen dieses Schritt schaffen. Als tolle kleine Persönlichkeit bereichern sie unsere Runde.

 

Wir sind froh, dass Dank eurer tollen Mithilfe die Eingewöhnungen bei uns so unkompliziert verlaufen. Dass sie in unserer Arbeit nicht solch einen riesengroßen Rahmen einnehmen, wie in manch anderen Einrichtungen, wo vor lauter Eingewöhnen, nicht viel Anderes Platz findet. Dass wir in diesen 7 Wochen seit Ende der Sommerferien schon so viele tolle Dinge gemeinsam erleben durften - die alten Hasen und die Neuen.

 

Ein Auszug aus dem Thema des Elternabends im Oktober 2020

 

„Weniger ist manchmal mehr“ …

 

 

Manche Pädagogen behaupten ganz provokant „Kinder bräuchten eigentlich kein Spielzeug, sie wäre auch ohne glücklich und zufrieden.“

Was ist dran an dieser Behauptung?

In unserem Waldkindergarten Alltag erleben wir es tagtäglich: Es funktioniert ganz unkompliziert ohne vorgefertigtes Spielmaterial, bzw. mit ganz wenigem. Sechs Spaten, drei Schubkarren für 20 Kinder - kein Problem.

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, wir wären gegen Spielzeuge für Kinder. Auf keinen Fall, aber vielleicht lohnt es sich, mal einen Blick in eure Kinderzimmer zu werfen und darüber nachzudenken, wieviel des vorhandenen Spielzeuges tatsächlich (im Moment) bespielt wird und was überflüssig ist.

 

Denn sicher ist, überquellende Regale und Kisten überfordern euer Kind. Auch ihr kennt das, bewusst oder unbewusst. Betretet ihr einen Raum, eine Wohnung, die übervoll beladen ist, macht das etwas mit euch. Genau so ergeht es auch einem Kind, unbewusst: Womit soll ich spielen? Es beginnt hier und wechselt dorthin. Ein Überfluss an Reizen.

 

Könnte es hier mal an der Zeit sein, ein paar Materialen (auf Zeit) wegzuräumen?

 

Eine übersichtliche Anzahl an Spielzeugen, die eurem Kind im Moment wichtig sind, bleibt vor Ort - weniger ist mehr.

Und dieses Weniger ist natürlich auch einfacher wieder sortiert und aufgeräumt, an seinen bestimmten Platz. Vielleicht wird so auch das leidige Thema „Aufräumen“ einfacher?

 

Sollte jemand durch diese Zeilen angeregt sein, dieses Thema anzugehen, dann nehmt eure Kinder mit ins Boot: Sie lieben es einbezogen zu werden - bei Themen, bei denen es sinnvoll und wichtig ist, ihre Meinung zu hören. (In vielen anderen Fragestellungen, seid ihr diejenigen, die die Linie vorgeben).

Die Spielsachen sind ihr „Arbeitsmaterial“ und euer Kind wäre sicher schockiert, wenn plötzlich vieles nicht mehr vor Ort wäre. 

Schon Kindergartenkinder lieben es, wenn sie bei einer „Besprechung“ um ihre Meinung gebeten werden. Sie fühlen sich ernst genommen und werden sicher sehr kooperativ mit euch an einem Strang ziehen.

Und Ihr werdet beobachten können, wird das Material auf ein übersichtliches Maß reduziert und beschränkt sich auf die momentan angesagten Materialien, dass das Spiel kreativer, ruhiger und intensiver wird. Sie verweilen länger bei einer Sache und benutzen das Spielzeug kreativer.

 

Noch eine interessante Fragestellung:

Wie kommt es eigentlich zu diesem „Viel“ an Spielzeugen?

Erwachsene setzen voraus, dass ein Kind voller Wünsche steckt. Aber ist dem vielleicht gar nicht so? Setzen wir die Kinder mit den vermuteten Wünschen und den traditionellen Geschenkephasen ungewollt unter Druck?

Weihnachten steht schon ganz nah vor der Tür. Wir wollen schenken, auch die Großeltern, Patentanten … 

„Was wünscht du dir?“ „Schreib doch mal einen Wunschzettel“ …

 

Oft wird ein Wunsch erst aufgrund der vielen buntbedruckten Kataloge geweckt, die jetzt wieder überall ausliegen und natürlich genau zu diesem Zweck produziert werden. Die farbenfrohen Bilder erwecken natürlich scheinbare Bedürfnisse.

Aber vielleicht hätte das Kind gar nicht so viele Wünsche, würde es nicht aufgefordert werden welche zu haben?

 

Dann gibt es noch die „Kleinen Geschenke zwischendurch“: Mitbringsel aus dem Urlaub, von der Geschäftsreise, vom Einkauf im Supermarkt, einfach mal so.

Manchmal sollen sie als Belohnung dienen, für eine Leistung, die wir Erwachsenen als besonders erstrebenswert ansehen - brav ins Bett gehen, aufräumen …

 

Warum sind es gerade die Kinder, die auf der ganzen Welt so gerne beschenkt werden?

 

Steckt vielleicht, unbewusst, der Herzenswunsch dahinter, sich die Verbundenheit mit dem Kind zu sichern?

Interessante Fragestellung, finde ich.

 

Aber eines ist sicher: Ein Kind, dass sich von den Erwachsenen um sich herum angenommen fühlt, so wie es ist. Ein Kind das spürt, dass es geliebt und ernst genommen wird, braucht keine materiellen Geschenke um den Eltern seine Liebe zu schenken. Das tut es gerne, einfach so.

 

Noch einmal zurück zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Was wäre eine gelungene Alternative beim Thema schenken, mit der alle Schenkenden zufrieden sind und das beschenkte Kind ebenso?

Liebt euer Kind es kreativ zu arbeiten wäre z.B. eine gemeinsam bestückte Kreativ-Kiste eine tolle Lösung:

Verschiedenste Stifte, Papiere, Sticker, Klebebänder …. Alle können einen Teil dazu beitragen.

 

Oder eine Werkzeugkiste, plus Holz das bearbeitet werden kann.

 

Es gibt hier viele kreative Lösungen, wenn man mal darüber nachdenkt. Und so könnte eine Geschenkeflut vielleicht umgangen werden.

 

Zum Schluß noch der Gedanke: Muss ein Geschenk immer materieller Natur sein?

Wie wäre es mit gemeinsam verbrachter Zeit? Im Moment sind viele öffentliche Orte, wie Museen, Freizeitbäder, Theater … nicht für uns geöffnet. 

 

Aber der Wald liegt bei vielen ganz in der Nähe und gemeinsam verbrachte Zeit dort, querfeldein, ist unbedingt sehr schön und macht Spaß!

 

 

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