Waldkindergarten Aidlingen e.V.
Waldkindergarten Aidlingen e.V.

BeDenkzeit 

Allerlei Nachdenkenswertes rund ums Großwerden

Ein Auszug aus dem Thema des Elternabends im Oktober 2020

 

„Weniger ist manchmal mehr“ …

 

 

Manche Pädagogen behaupten ganz provokant „Kinder bräuchten eigentlich kein Spielzeug, sie wäre auch ohne glücklich und zufrieden.“

Was ist dran an dieser Behauptung?

In unserem Waldkindergarten Alltag erleben wir es tagtäglich: Es funktioniert ganz unkompliziert ohne vorgefertigtes Spielmaterial, bzw. mit ganz wenigem. Sechs Spaten, drei Schubkarren für 20 Kinder - kein Problem.

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, wir wären gegen Spielzeuge für Kinder. Auf keinen Fall, aber vielleicht lohnt es sich, mal einen Blick in eure Kinderzimmer zu werfen und darüber nachzudenken, wieviel des vorhandenen Spielzeuges tatsächlich (im Moment) bespielt wird und was überflüssig ist.

 

Denn sicher ist, überquellende Regale und Kisten überfordern euer Kind. Auch ihr kennt das, bewusst oder unbewusst. Betretet ihr einen Raum, eine Wohnung, die übervoll beladen ist, macht das etwas mit euch. Genau so ergeht es auch einem Kind, unbewusst: Womit soll ich spielen? Es beginnt hier und wechselt dorthin. Ein Überfluss an Reizen.

 

Könnte es hier mal an der Zeit sein, ein paar Materialen (auf Zeit) wegzuräumen?

 

Eine übersichtliche Anzahl an Spielzeugen, die eurem Kind im Moment wichtig sind, bleibt vor Ort - weniger ist mehr.

Und dieses Weniger ist natürlich auch einfacher wieder sortiert und aufgeräumt, an seinen bestimmten Platz. Vielleicht wird so auch das leidige Thema „Aufräumen“ einfacher?

 

Sollte jemand durch diese Zeilen angeregt sein, dieses Thema anzugehen, dann nehmt eure Kinder mit ins Boot: Sie lieben es einbezogen zu werden - bei Themen, bei denen es sinnvoll und wichtig ist, ihre Meinung zu hören. (In vielen anderen Fragestellungen, seid ihr diejenigen, die die Linie vorgeben).

Die Spielsachen sind ihr „Arbeitsmaterial“ und euer Kind wäre sicher schockiert, wenn plötzlich vieles nicht mehr vor Ort wäre. 

Schon Kindergartenkinder lieben es, wenn sie bei einer „Besprechung“ um ihre Meinung gebeten werden. Sie fühlen sich ernst genommen und werden sicher sehr kooperativ mit euch an einem Strang ziehen.

Und Ihr werdet beobachten können, wird das Material auf ein übersichtliches Maß reduziert und beschränkt sich auf die momentan angesagten Materialien, dass das Spiel kreativer, ruhiger und intensiver wird. Sie verweilen länger bei einer Sache und benutzen das Spielzeug kreativer.

 

Noch eine interessante Fragestellung:

Wie kommt es eigentlich zu diesem „Viel“ an Spielzeugen?

Erwachsene setzen voraus, dass ein Kind voller Wünsche steckt. Aber ist dem vielleicht gar nicht so? Setzen wir die Kinder mit den vermuteten Wünschen und den traditionellen Geschenkephasen ungewollt unter Druck?

Weihnachten steht schon ganz nah vor der Tür. Wir wollen schenken, auch die Großeltern, Patentanten … 

„Was wünscht du dir?“ „Schreib doch mal einen Wunschzettel“ …

 

Oft wird ein Wunsch erst aufgrund der vielen buntbedruckten Kataloge geweckt, die jetzt wieder überall ausliegen und natürlich genau zu diesem Zweck produziert werden. Die farbenfrohen Bilder erwecken natürlich scheinbare Bedürfnisse.

Aber vielleicht hätte das Kind gar nicht so viele Wünsche, würde es nicht aufgefordert werden welche zu haben?

 

Dann gibt es noch die „Kleinen Geschenke zwischendurch“: Mitbringsel aus dem Urlaub, von der Geschäftsreise, vom Einkauf im Supermarkt, einfach mal so.

Manchmal sollen sie als Belohnung dienen, für eine Leistung, die wir Erwachsenen als besonders erstrebenswert ansehen - brav ins Bett gehen, aufräumen …

 

Warum sind es gerade die Kinder, die auf der ganzen Welt so gerne beschenkt werden?

 

Steckt vielleicht, unbewusst, der Herzenswunsch dahinter, sich die Verbundenheit mit dem Kind zu sichern?

Interessante Fragestellung, finde ich.

 

Aber eines ist sicher: Ein Kind, dass sich von den Erwachsenen um sich herum angenommen fühlt, so wie es ist. Ein Kind das spürt, dass es geliebt und ernst genommen wird, braucht keine materiellen Geschenke um den Eltern seine Liebe zu schenken. Das tut es gerne, einfach so.

 

Noch einmal zurück zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Was wäre eine gelungene Alternative beim Thema schenken, mit der alle Schenkenden zufrieden sind und das beschenkte Kind ebenso?

Liebt euer Kind es kreativ zu arbeiten wäre z.B. eine gemeinsam bestückte Kreativ-Kiste eine tolle Lösung:

Verschiedenste Stifte, Papiere, Sticker, Klebebänder …. Alle können einen Teil dazu beitragen.

 

Oder eine Werkzeugkiste, plus Holz das bearbeitet werden kann.

 

Es gibt hier viele kreative Lösungen, wenn man mal darüber nachdenkt. Und so könnte eine Geschenkeflut vielleicht umgangen werden.

 

Zum Schluß noch der Gedanke: Muss ein Geschenk immer materieller Natur sein?

Wie wäre es mit gemeinsam verbrachter Zeit? Im Moment sind viele öffentliche Orte, wie Museen, Freizeitbäder, Theater … nicht für uns geöffnet. 

 

Aber der Wald liegt bei vielen ganz in der Nähe und gemeinsam verbrachte Zeit dort, querfeldein, ist unbedingt sehr schön und macht Spaß!

 

 

DruckversionDruckversion | Sitemap
© Waldkindergarten Aidlingen e.V.